Jutta Maria Clemens malt Blumenbilder, die voller Leben, glühen, flirren und rauschen -
mit einer Schönheit, die den ganzen Lebensprozess zur Anschauung bringt.
Sie malt einen Moment und zeigt darin die ganze Fülle der Existenz – einer Existenz, die als vollkommen nur in ihrer Veränderung vom Werden zum Vergehen zu erfassen ist.
Das ist neu und verbindet sie mit anderen Künstlern; wie gerade die Fotoserie von Michael Wesely im Zeitmagazin Nr.29 vom 14.07.2011 zeigt.


Blumen werden in der Geschichte der Malerei in allen Epochen, in jeder Kultur verwendet. Sie gelten als Botschafter ihrer Natur, als Symbol für Schönheit oder Sexualität, Reinheit oder Sehnsucht. Sie wirken als schmückendes Beiwerk oder stehen im Stillleben als Generalmotiv. Mal thematisieren sie die Vergänglichkeit, mal die Pracht und dann wieder einzelne Eigenschaften.
Die Bilder von Jutta Maria Clemens üben einen eigenen Reiz aus. Der erste Anblick führt unweigerlich zum Innehalten und Vertiefen. Den Bildaufbau gestaltet sie flächig mit feinsten Farbverläufen. Auf strukturiertem Grund bewegen sich Formen, Blüten, Blätter, Zweige. Sie löst die Formen auf, verknappt die Sujets und erreicht eine intensivierende Kraft. Die Pinselführung zeugt von Dynamik und sensibler Energie. Sie entwickelt mit Farbe und Pinsel den lebendigen Prozess, treibt ihn voran und hält ihn im Schwung.
Mit der Gouache-Malerei hat sie ihr ideales Medium gefunden. Die deckenden Wasserfarben in Harzverbindung ermöglichen ihr ein langsames Arbeiten mit vielschichtigen, nuancenreichen
Farbentönen. Vom reinen Weiß bis zu feinen Abtönungen, über feuriges Rot zum zarten Rosé, delikatem Einsatz von Grün in Abstufungen ins verschattete Gelb, leuchtendes Blau bis zum nächtlichen Dunkel findet sie die Mittel für Stimmung und Deutung.
Dadurch erreicht sie Kompositionen von tänzerischer Lebensfreude. Sie fügt das Keimen und Aufbrechen, das Reifen und Wachsen, Ermüden und Verwelken zusammen. Es erscheint dieses Unfassbare, das ein volles Dasein ausmacht. Diese sehr langsamen Veränderungen können wir mit unseren Augen nicht nachvollziehen. Wir nehmen sie nur momenthaft und in Abschnitte sequenziert wahr. In diesen Vorgängen liegt jedoch die Erkenntnis des Lebensprozesses begründet.
Schönheit als glatte, jugendliche Unversehrtheit lässt uns im Konsumhaften ermüden. Sie erschöpft sich im Banalen.
In der Zusammenschau der polaren Aspekte von Blühen und Welken, Stumpfheit und Glanz, Leuchten und Dämmern bekommen wir eine neue Anschauung von Schönheit. Jutta Maria Clemens schenkt uns eine Qualität des emotionalen Ausdruck, eine neue Wertschätzung von Schönheit und Wahrhaftigkeit.

Leela Beate Martiny